Schlössli Wörth

Schlössli Wörth

 

Das Schlössli Wörth verdankt seinen Namen dem Standort auf einer vom Wasser umspülten kleinen Insel, die man früher als «Werd» bezeichnete. Erstmals wurde es im 13. Jahrhundert urkundlich erfasst. Das Wörth war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein bedeutender Umladeplatz an der Ost-West-Handelsstrasse, die vom Bodensee nach Basel führte und durch den Rheinfall unterbrochen wurde.

Als Mitte des 19. Jahrhunderts die Eisenbahn gebaut wurde, verlor diese Verkehrsache an Bedeutung. Der Kanton Schaffhausen baut das Schlössli 1835/36 als Gaststätte um. Heute finden sich im Gebäude ein exzellentes Gourmet-Restaurant, ein Souvenir-Shop und ein Schnellimbiss. Im ersten Stock stehen Räumlichkeiten für Gesellschaften und Seminare zur Verfügung – verbunden mit einer Terrasse und einer fulminanten Aussicht auf den Rheinfall.

Goethe schrieb 1797 in sein Tagebuch über das Schlösschen Wörth:

Ich ging hinein, um ein Glas Wein zu trinken.
Alter Eindruck bey Erblickung des Mannes.
Ich sah Trippels Bild an der Wand und fragte, ob er etwa zur Verwandtschaft gehörte. Der Hausherr, der Geltzer heißt, war mit Trippel durch Mütter Geschwisterkind. Er hat das Schlößchen mit dem Lachsfang, Zoll, Weinberg, Holz u.s.w. von seinen Voreltern her im Besitz, doch als Schupf-Lehn, wie sie es heißen. Er muß nämlich dem Kloster oder dessen jetzigen Successoren die Zolleinkünfte berechnen, 2/3 des gefangenen Lachses einliefern, auf die Waldung Aufsicht führen und daraus nur zu seiner Nothdurft schlagen und nehmen; die Nutzung des Weinberges und der Felder gehört ihm zu, und er giebt jährlich überhaupt nur 30 Thaler ab. Und so ist er eine Art von Lehenmann und zugleich Verwalter. Das Lehn heißt Schupf-Lehn deswegen, weil man ihn, wenn er seine Pflichten nicht erfüllt, aus dem Lehn herausschieben oder schuppen kann. Er zeigte mir seinen Lehnbrief von Anno 62, der alle Bedingungen mit großer Einfalt und Klarheit enthält. Ein solches Lehn geht auf die Söhne über, wie der gegenwärtige Besitzer die ältern Briefe auch noch aufbewahrt. Allein im Briefe selbst steht nichts davon, obwohl von einem Regreß an die Erben darinn die Rede ist. Um 10 Uhr fuhr ich bey schönem Sonnenschein wieder hinüber. Der Rheinfall war noch immer seitwärts von hinten erleuchtet, schöne Licht- und Schattenmassen zeigten sich sowohl von dem Laufenschen Felsen als von den Felsen der Mitte.
Ich trat wieder auf die Bühne an den Sturz heran, und ich fühlte, daß der vorige Eindruck schon verwischt war; es schien gewaltsamer als vorher zu stürmen. Wie schnell sich doch die Nerve wieder in ihren alten Zustand herstellt. Der Regenbogen erschien in seiner größten Schönheit; er stand mit seinem ruhigen Fuß in dem ungeheuern Gischt und Schaum, der, indem er ihn gewaltsam zu zerstören droht, ihn jeden Augenblick neu hervorbringen muß.

Quelle/Auszug:
«Das ist Schaffhausens Zierde und Pracht» von Daniel Grütter aus dem Buch «Der Rheinfall», Verlag Hier+Jetzt.